
Eine persönliche Geschichte
über Loslassen, Klarheit und Selbstvertrauen.
Vor einigen Wochen schickte mir eine Freundin eine Sprachnachricht.
„Hallo Heike, ich muss dir etwas erzählen:
Es ist noch nicht ganz offiziell, die Kinder wissen es noch nicht.
Aber in wenigen Wochen brechen wir unsere Zelte hier ab.
Die ganze Familie zieht von den Bergen ans Meer.“
Ich konnte ihre Aufregung hören. Ihre Vorfreude.
Aber auch die Gedanken, die viele von uns kennen, wenn ein Kapitel zu Ende geht.
Was lasse ich hier?
Was nehme ich mit?
Wer bin ich gewesen?
Und wer werde ich an meinem neuen Ort sein?
Was mich besonders berührt hat:
Sie wollte diesen Übergang bewusst gestalten.
Nicht einfach nur losrennen.
Nicht nur nach vorne schauen.
Sondern würdevoll Abschied nehmen von dem, was war.
Auf gepackten Koffern
Während sie erzählte, musste ich plötzlich an einen nebligen Oktobertag denken.
An den Vorabend meiner Ausreise nach Lateinamerika. An Koffer. Abschied. Angst.
Und diese riesige Sehnsucht nach einem neuen Leben.
Damals war ich 28 Jahre alt
und mit meinem zehn Monate alten Sohn auf dem Weg zu neuen Ufern.
Aus einem zeitlich begrenzten Auftrag wurden später viele Jahre.
Jahre, die mein Leben geprägt haben.
Hinter mir lagen Trennung, Unsicherheit und viele offene Fragen.
Ich wusste, auf mich warteten Sonne, Wärme, Licht und Freiheit.
Und doch spürte ich nicht nur Vorfreude.
Da war Wehmut und Dankbarkeit.
Auch meinem Elternhaus gegenüber,
das sich für mich oft so schwer angefühlt hatte.
Für mich bedeutete Abschied nie,
das Vergangene abzulehnen.
Was uns geprägt hat, darf gewürdigt werden.
Auch dann, wenn wir weiterziehen.
Am Kamin saß ich an diesem letzten Abend
zwischen gepackten Koffern, Briefpapier und Taschentüchern.
Der Container war längst verschifft.
Mein Sohn schlief.
Das Haus war still geworden.
Ich schrieb Abschiedsbriefe an meine Eltern und Geschwister.
Und ich weinte.
Nicht nur um das, was ich zurückließ.
Sondern auch um das, was hätte sein können.
Ich beweinte meine Vorstellung von Ehe.
Die Hoffnung, dass manches vielleicht doch anders hätte werden können.
Ich beweinte, dass meine Entscheidung nicht von allen verstanden wurde.
Und vielleicht auch, dass ich so weit gehen musste, um mich selbst zu finden.
Die Tränen tropften auf das Papier.
Und mit jeder Träne wurde ich sicherer,
Weil ich wusste, dass meine Entscheidung richtig war.
Traurigkeit ist nicht das Gegenteil von Klarheit.
Oft gehen sie sogar Hand in Hand.
Wir dürfen traurig sein und trotzdem wissen, dass etwas richtig ist.
Wir dürfen Abschied nehmen und uns gleichzeitig auf das freuen, was vor uns liegt.
Wir dürfen mit einem weinenden und einem lachenden Auge weitergehen.
Am nächsten Morgen umarmte mich meine Mutter an der Haustür.
Mein Vater brachte mich zum Flughafen.
Ich hielt meinen kleinen Sohn fest im Arm. Das Handgepäck lag im Buggy.
Ein letztes Winken. Ein letzter Blick zurück. Dann drehte ich mich um.
Ich holte tief Luft.
Und ging.
Mit Hoffnung. Mit einem leichten Ziehen im Bauch.
Und mit dem Gefühl, dass es jetzt erst einmal kein Zurück mehr gab.
Lange dachte ich, ich sei geflüchtet.
Vor der Enge. Vor Erwartungen. Vor einem Leben, das sich nicht mehr nach mir anfühlte.
Heute weiß ich:
Ich bin nicht von etwas weggegangen. Ich bin auf etwas zugegangen.
Auf Freiheit.
Auf Leichtigkeit.
Auf die Möglichkeit, ganz ich selbst zu sein.
Ich bin zu mir gegangen.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Wahrheit vieler Abschiede.
Nicht alles, was endet, ist ein Scheitern.
Manches endet, weil etwas Neues nach uns ruft.
Weil wir gewachsen sind.
Weil wir uns verändern.
Weil unser Leben uns einlädt, den nächsten Schritt zu gehen.
Wenn ich heute an die junge Frau am Kamin zurückdenke,
würde ich ihr nicht von all den Abenteuern erzählen, die vor ihr liegen.
Nicht von den Ländern. Nicht von den Begegnungen. Nicht von den Erfahrungen, die sie prägen würden.
Ich würde ihr nur einen einzigen Satz mitgeben:
Du darfst deinem Herzen vertrauen.
Denn manchmal weiß unsere Intuition längst,
was unser Verstand noch zu verstehen versucht.
Und manchmal beginnt ein neues Kapitel nicht in dem Moment, in dem wir ankommen,
sondern in dem Moment, in dem wir bereit sind, etwas Altes liebevoll loszulassen.
Mit Dankbarkeit für das, was war.
Mit Offenheit für das, was kommt.
Und mit dem Vertrauen, dass der nächste Schritt uns näher zu uns selbst führen wird.
Dein Takeaway
Was darf ich zurücklassen?
Und was möchte ich mitnehmen?
Manchmal beginnt ein neues Kapitel nicht mit einer Entscheidung.
Sondern mit der Bereitschaft, etwas Altes liebevoll loszulassen.
Vielleicht stehst du selbst gerade an einem Punkt, an dem etwas in dir bereit ist, loszulassen.
Der Selbsttreue-Check hilft dir dabei, ehrlich hinzuschauen: Was passt noch zu dir – und was vielleicht nicht mehr?
Und wenn du tiefer eintauchen möchtest, begleitet dich mein Retreat Loslassen Schritt für Schritt durch diesen Prozess.
In deinem eigenen Tempo. Ganz für dich.

