Loslassen at its hardest

Welpenfoto von Paco im hohen Gras, davor ein handgeschriebener Brief, sein Pfotenabdruck und Halsband – Erinnerung an ein Loslassen aus Liebe

Den folgenden Text habe ich im Sommer geschrieben.
Auf dem Boden sitzend. Neben Paco.
Ich wusste, dass uns nur noch wenige gemeinsame Stunden blieben.
Am nächsten Morgen sollte die Tierärztin zu uns nach Hause kommen – wir würden unseren treuen Wegbegleiter gehen lassen.

Ich wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde.
Ich wusste auch, dass er schwer werden würde.
Nur hatte ich keine Ahnung, wie schwer.

Heute kann ich diese Zeilen zum ersten Mal wieder lesen.
Und ich spüre, dass ich sie jetzt auch teilen kann.


Mein liebster Paco,

ich sitze hier neben dir auf dem Boden und lausche deinen Atemzügen, 
wenn du es endlich schaffst, Ruhe zu finden.
Seit ein paar Tagen wissen wir, dass es Zeit ist, Abschied zu nehmen. 
Die Vorstellung ist unfassbar schmerzhaft.

Als wir beide beim Tierarzt auf die Diagnose warteten – ich sass bei dir auf dem Boden, versuchte dich und mich zu beruhigen: „Jetzt wird dir bestimmt geholfen, du wirst sehen!“ – blicktest du mich mit deinen wunderbaren braunen Augen an und ich spürte deine Botschaft: Du weißt es doch. Wir wissen es doch beide...

Die Ärztin kam zurück. 
Während sie mir die Situation schilderte und mir schonend zu verstehen gab, dass es Zeit sei, dich loszulassen, lagst du entspannt auf der Seite und hast tief geschlafen.

Zuhause haben wir beschlossen, dein Wohl an erste Stelle zu setzen. Dich freizugeben, bevor dein Leiden unerträglich wird. Seit wir diese Entscheidung getroffen und alles so organisiert haben, dass du zu Hause friedlich einschlafen darfst, spüre ich deine Erleichterung.

Du kannst wieder etwas mehr Nähe ertragen. Du schaust mich lange an, gibst mir deine liebevollen Hundeküsse. Und ich begreife: Wir verstehen uns. Wir zwei Hochsensible...

Auch wenn wir uns sicher sind, dass es die richtige Entscheidung ist, dich loszulassen, dich freizugeben, dich zu erlösen – es bricht uns das Herz.

Dreizehn Jahre sind eine lange Zeit.

Und wir haben sie so genossen.
Wir sind zusammen gereist und haben die Natur erobert, in so vielen Ländern und Gegenden. Du warst immer dabei. In Hotels, Restaurants, bei Events und zu Besuch bei Freunden.

Du gehörtest einfach dazu, warst ein Teil von uns. Immer.
Und du hast mir so viel beigebracht.

Den Moment genießen.
Das Leben lieben.
Unconditional love.

Ein Blick. Ein Nasenstüber. Ein Ankuscheln.

Mit dir war ich nie allein. 
Und auch durch sehr dunkle Zeiten hast du mich immer wieder ins Licht begleitet.

Danke für all das. Danke für dein Sein. 
Für dein immer freundliches, oft lachendes Gesicht und dein fröhliches, liebenswertes Wesen.

My furry soulmate. 
Ich habe dich schon an meiner Seite gespürt, da warst du noch gar nicht bei uns. 
Ich hoffe, unsere Seelenverbindung ist so stark, dass ich dich auch dann noch spüren werde, 
wenn dein physisches Sein hier beendet ist.

Die letzten Tage waren schwer.
Und gleichzeitig bin ich dankbar für jeden bewussten Moment mit dir.

Du hast unsere letzten Walks genossen. Bist durch das feuchte, kniehohe Gras gerannt – fast wie früher –, hast deine Lieblingsgräser geknabbert und bist sogar noch einmal in deinen Lieblingsbach gesprungen.

Als ob auch du von allem hier Abschied nimmst.

Hast du das Entenpaar gesehen, das wir kennen, seit wir die beiden vor vielen Jahren als Küken entdeckt haben? Auch sie kamen vorbei. Um Lebewohl zu sagen, möchte ich glauben.

Gestern hast du deinen Walk noch eingefordert und eine andere Lieblingsstrecke gewählt. Nicht mehr ganz so weit, aber fröhlich.

Heute war der Gang schon sehr beschwerlich. Nur eine kleine Runde durchs Dorf.
Wieder von dir gewählt.

Uns bleiben noch ein paar Stunden.

Ich spüre deine Erschöpfung. Und ich merke, dass du mir vertraust, wenn ich dir sage:
Ich bin hier.
Ich weiche nicht von deiner Seite.
Ich passe auf dich auf.

Du musst nicht mehr kämpfen.
Du darfst loslassen.
Du darfst relaxen.

Und noch atmest du neben mir.
Du schläfst viel. 
Obwohl du inzwischen eigentlich taub bist, schreckt dich jedes Geräusch auf. 
lso sorge ich für Stille.
Gedämpftes Licht. Ein dezenter Duft nach Palo Santo. Leise Musik.

Ich wache an deiner Seite, bis du morgen früh deine letzte Reise antreten wirst.
Eis schleckend von unserer Lieblingseisdiele darfst du einschlafen.
Zwischen uns.

Ich werde stark sein.
Für dich.

Die Vorstellung der Regenbogenbrücke tröstet mich. Vielleicht auch, weil sie sich mit der mexikanischen Tradition des Día de los Muertos verbindet, die ich so liebe.

Ich sehe dich dort drüben auf einer Wiese herumtollen. 
Schmerzfrei. Mit deinem geliebten Lächeln im Gesicht.

Vielleicht wartet dort auch deine beste Freundin auf dich, 
die dir erst vor ein paar Wochen vorausgegangen ist.

Mein happy dog.
I will miss you so badly...


Am nächsten Morgen

Und dann bist du eingeschlafen. In meinen Armen.
Ich habe gespürt, wie das Leben aus dir wich.
Die Terrassentür stand weit offen. Deine Seele sollte fliegen können. Frei sein.

Danach haben wir dich auf deine Lieblingsdecke gebettet, dich gesäubert und zugedeckt.
Ich saß neben dir und habe dich gestreichelt, bis der Herr vom Krematorium kam und dich endgültig mitnahm.

Ein Foto von uns dreien und ein handgeschriebener Brief haben dich begleitet.
Mein Paco…

Noch am selben Nachmittag habe ich deinen Pfotenabdruck auf mein Handgelenk tätowieren lassen.
Vielleicht musste etwas von dir bleiben.
Nicht nur in meiner Erinnerung, sondern sichtbar. Spürbar. Auf meiner Haut.

Die Nadel tat weh. Und dieser Schmerz tat gut.

Seitdem trage ich deine Pfote bei mir.
Jeden Tag.
Dort, wo ich sie sehen und mit den Fingern darüber streichen kann.


vier Monate später

Es ist viele Wochen her, dass ich zum letzten Mal in deine lieben braunen Augen geschaut,
deine Wärme gespürt und dein weiches Fell gestreichelt habe.

Du fehlst mir so sehr.
Aber ich habe dir in meinem Brief etwas versprochen:

Dass ich auf mich achte.
Dass ich fröhlich sein werde.
Dass ich die schönen Dinge im Leben sehe und sie dankbar schätze.

Damit du frei sein kannst.
Ich versuche, mein Versprechen zu halten.

Nach wie vor gehe ich beinahe jeden Tag walken oder spazieren.
Oft wandle ich dabei auf unseren Spuren.

Auf den Wegen, die wir unzählige Male zusammen gegangen sind.
Ich freue mich über jeden Schmetterling, der meinen Weg kreuzt
und bei dem ich für einen Moment denke: Den hast du mir geschickt.

Unsere Wanderungen und Ausflüge am Wochenende machen wir jetzt zu zweit.
Und doch fühlt es sich so an, als wärst du dabei.
Anders. Aber da.


Ich wollte dich behalten

In den vergangenen Jahren habe ich viel über Loslassen geschrieben.
Über Lebensphasen, die enden.
Über Rollen, die nicht mehr passen.
Über Menschen, Dinge und Vorstellungen,
von denen wir uns verabschieden müssen, damit etwas Neues entstehen kann.

Aber dieses Loslassen ist anders.

Ich wollte dich nicht loslassen.
Es gab nichts Neues, für das ich Platz schaffen wollte.

Ich wollte dich behalten.
Und trotzdem musste ich dich freigeben.

Nicht, weil ich bereit war, sondern weil du es warst.

Es ist so still ohne dich.

Ich weiß noch nicht, wie lange es dauern wird,
bis ich mich an ein Leben ohne deine Pfoten neben mir gewöhnt habe.

Vielleicht muss ich das auch gar nicht wissen.

Ich gehe weiter.
Auf unseren Wegen.
Und auf neuen.

Mit schwerem Herzen an manchen Tagen und mit einem Lächeln an anderen.
Und mit dir irgendwo dazwischen.

Unter meiner Haut und ganz tief in meinem Herzen.



Loslassen heißt nicht, dass die Liebe geht.

Vielleicht bedeutet es manchmal nur, dass wir lernen müssen, sie in einer anderen Form weiterzutragen.

6 Kommentare zu „Loslassen at its hardest“

  1. Margit Kornek

    Hallo liebe Heike… dein Text und deine Trauer über den Verlust von eurem Paco lassen mir gerade die Tränen runter laufen … unsere Tiere geben uns uneingeschränkte Liebe 🫶 … dieses Gehen lassen müssen ist so furchtbar… Seine Pfote an deinem Handgelenk wird dich immer an ihn erinnern und irgendwann wird die Trauer auch wieder besser werden… schicke dir ganz liebe Grüße aus Kärnten, Margit

    1. Liebe Margit, herzlichen Dank für deine Nachricht und für dein Mitgefühl. Ich weiss, wie viel auch dir Tiere bedeuten und dass du diese „unconditional love“ selbst erlebst bzw. erlebt hast – ebenso wie sehr ein Verlust schmerzt.
      Pacos Pfote hilft wirklich. Und die Tatsache, dass ich über den Verlust und meinen Schmerz schreiben konnte.
      Liebe Grüsse von mir zu dir, Heike

  2. Liebe Heike, wunderschön und traurig geschrieben, ich kann gut verstehen, dass du jetzt erst die Kraft dazu hast, die Worte zu teilen.
    Ich denke auch noch täglich an Emma, morgen sind es 8 Monate und morgen ist auch de Beisetzung meiner Schwiegermutter hier bei uns. Vielleicht haben sich Paco und Emma bereits getroffen und schauen auf uns ❤️ einen herzlichen Gruß
    Birgit

    1. Liebe Birgit, vielen Dank für deine wertschätzende Nachricht. Uns verbindet der Verlust eines geliebten Tieres, daher weiss ich, dass du meine Worte sicher gut nachvollziehen kannst. Acht Monate schon… Ich bin mir sicher, dass Emma und Paco fröhlich und ohne Schmerzen durch hohes Gras rennen und viel Spass haben. Mein herzliches Beileid – auch für diesen Verlust wünsche ich dir viel Kraft und sende die einen lieben Gruss, Heike

  3. Meine liebe Heike, zutiefst berührt habe ich gerad deinen Blog „für“ Paco, eure letzten Stunden und die Zeit bis jetzt gelesen. 😭😭.
    So liebevoll, so voller Herzenswärme und Respekt. Was für wunderschöne Worte für so eine besondere Liebe. Mit jedem Wort ist es spürbar .
    Was für eine Gabe das so niederzuschreiben zu können 🙏.

    Liebe Heike, weiterhin ganz viel Kraft auf dem Weg durch diese schwere Zeit für dich und Robert.
    Fühl dich ganz fest gedrückt,
    Deine Andrea mit Chrissi 🫶❤️‍🩹

    1. Liebe Andrea, danke für dein schönes Kompliment und deine lieben Worte voller Mitgefühl. Beides tut gut!
      Ich weiss, dass auch du dich schon (mehrfach?) von lieben Vierbeinern trennen musstest, du verstehst mich.
      Danke für deine und eure lieben Wünsche, die ich so, so gerne erwidere.
      Viel Kraft und Zuversicht und meine allerbesten Wünsche gehen zu dir und euch!
      Liebe Grüsse, Heike

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