Ein kleines Ritual zum Jahreswechsel
Ein Text über Häutung, Übergänge und das leise Beginnen.
Es gibt Momente im Jahr, die nicht nach außen laut werden, sondern nach innen.
Momente, die sich mehr anfühlen wie ein Atemzug zwischen zwei Kapiteln.
Der Übergang zwischen den Jahren ist genau so ein Raum.
Er ist nicht dafür gemacht, alles neu zu machen.
Er ruft nicht nach großen Vorsätzen.
Er ist ein Zwischenraum — weich, leise, ehrlich.
Ein Moment, in dem wir uns selbst begegnen können,
ohne Rollen, ohne Erwartungen, ohne Beschleunigung.

Ein Jahr der Schlange
2025 war ein Schlangenjahr, ein Wahrheitsjahr.
Ein Jahr, das vieles freigelegt hat, was wir lange getragen haben.
Vielleicht hast du es gespürt:
dass eine alte Schicht zu eng wurde.
Dass ein inneres Ziehen begann —
nicht um mehr zu werden,
sondern um echter zu werden.
Häutung ist nie laut.
Sie ist ein Prozess, der im Inneren beginnt,
in winzigen, unspektakulären Bewegungen.
In einem Satz, den du nicht mehr sagen willst.
In einer Entscheidung, die sich plötzlich klar anfühlt.
In einem Gefühl, das du nicht mehr wegdrückst.
Vielleicht hat das Jahr dir gezeigt,
dass du nicht härter werden musst, sondern weicher.
Nicht größer, sondern wahrer.
Nicht mehr, sondern mehr du.
Der Raum zwischen den Jahren lädt genau dazu ein:
nicht zu leisten, sondern zu lauschen.
Nicht vorzupreschen, sondern wahrzunehmen.
Nicht zu kontrollieren, sondern dich hinzuwenden —
zu dir.
Und dafür ist dieses kleine Ritual.
Für dich.
Für dein Herz.
Für den Übergang in etwas, das sich nicht erzwingen lässt,
sondern entstehen darf.
Das Licht-Ritual
Für Klarheit. Für Dankbarkeit. Für Loslassen.
Zünde eine Kerze an.
Lass das Licht kurz auf dich wirken.
Atme einige Male ein und aus — langsam, bewusst.
Nimm ein Blatt Papier und schreibe zwei kurze Sätze:
Was ich loslasse …
Wofür ich dankbar bin …
Es müssen keine langen Texte sein.
Ein Satz reicht. Ein Wort, wenn es ehrlich ist.
Mehr braucht es nicht.
Wahrheit liegt selten in vielen Worten.
Den Zettel des Loslassens verbrennst du (sicher) oder zerreißt ihn.
Der zweite Zettel — der der Dankbarkeit — bekommt einen Platz:
unter einem Stein, einer Karte, einem Bild, einem Objekt,
das dich daran erinnert, wer du sein willst.
Loslassen klärt.
Dankbarkeit erdet.
Beides zusammen öffnet.
Die Wasserwäsche
Für Reinigung. Für Weichheit. Für einen neuen Anfang.
Fülle eine Schale mit warmem Wasser.
Lege deine Hände hinein.
Fühle. Atme.
Stell dir vor, wie das Wasser alles löst,
was schwer, alt oder eng geworden ist.
Nicht dramatisch, sondern natürlich —
so, wie Wasser es tut.
Nimm deine Hände heraus.
Trockne sie langsam ab.
Ganz bewusst.
Manchmal beginnt ein neues Jahr nicht im Kopf,
sondern in den Händen.

3 Fragen für deine Innenschau
Atme tief und bewusst. Deine Antworten dürfen fließen oder still bleiben.
– Was hat dieses Jahr von mir abgefallen?
– Was hat mich getragen und gestärkt?
– Wovon möchte ich mehr mitnehmen ins neue Jahr?
Sie führen dich nicht weg von dir —
sie bringen dich zu dir zurück.
Ein leiser Anfang
Ein neues Jahr braucht keine großen Pläne.
Und schon gar keine großen Erwartungen.
Es braucht ein Herz, das bereit ist,
wieder ein Stück offener zu werden.
2025 hat uns gezeigt,
wo wir uns neu ausrichten dürfen.
2026 lädt uns ein,
nicht schneller zu werden —
sondern wahrer.
Möge dein Übergang weich sein.
Möge das Neue leise beginnen.
Und mögest du spüren,
dass Loslassen nichts anderes ist
als ein still gewordener Anfang.
🤍

